Stadtlandschaft

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Ein Auszug aus Lauras Masterarbeit zum Thema Street-Art. Als Projekt entwickelte Sie eine fiktive Stadt aus Gewebeklebeband:

 

Identität bedeutet Heimat – dies ist für viele zunächst eine Stadt, ein Dorf, eine Siedlung, ein Haus. Ein Ort, an dem man aufgewachsen ist, ohne dass man ihn ausgesucht hat. Jedoch gewinnt ein zusätzlicher gewählter Ort immer mehr an Bedeutung. In der Wahlheimat finden sie Arbeit, Freiheit, Zuflucht und neue Impulse. Hinzugekommene müssen sich auf den Ort einlassen,sonst erschwert es die Zugehörigkeit. Jedoch verliert der Begriff Heimat für immer mehr Menschen seine Selbstverständlichkeit und somit auch die Identität unddie Beziehung zum Ort. Der amerikanische Maler Edward Hopperstellte im 20. Jahrhundert die neuen, „unheimlichen“ Landschaften der Moderne da. Seine Bilder „Tristesse einer Heimat“ suggerieren die Kehrseite des amerikanischen Traums, erzählen von Einsamkeit und Entfremdung der Gesellschaft in einer bunten Warenwelt grenzenlosen Konsums. Die Menschen verlieren sich in ihrer Welt:

Diese Beziehungslosigkeit malt Hopper angezogen vom Sog der Leere. Im 21. Jahrhundert führt die Globalisierung zur Auseinandersetzungen zwischen denen die diese moderne Welt hassen, da sie ihre Heimat bedroht, und denen, die sie hingebungsvoll lieben, da sie selbst zur Heimat für sie wird. Genau wie Street-Art ist Heimat im Grunde eine kritische Vorstellung. Beide Vorstellungen antworten auf Probleme der modernen Welt.

 

Meine „Antwort“ auf die zuvor beschriebenen Thematik ist durch Form eines weißensterilen Raum erzählt worden. Dieser Raum war zuvor meine Wohnung – meine Heimat. In einem Zeitraffer Videozeige ich den Prozess von einem wohnlichen Raum, zu einem monotonen Raum. Dieser Prozess stellt eine Metapher zur Gentrifizierung da. Mit schwarzen Gewebeklebeband wurden die Umrisse einer menschenleeren Stadt auf die Wand getapet. Das Motiv umschließt den 15 qm großen Raum. Die gezeigte Stadt besitzt keine Individualität, es könnte jede Stadt sein. Möglicherweise ist es ein Zukunftsbild auf die gegenwärtige Entwicklung der Stadt – ohne Menschen, ohne Werbung und ohne Street-Art. Das Bild einer Dystopie entwirft ein zukunftspessimistische Szenario von einer Gesellschaft, die sichzum negativen entwickelt hat. Jedoch kann die Dystopie auch als Utopie wahrgenommenen werden, da der Betrachter die Freiheit der Deutung behält. Mankann durchaus auch eine positive Stimmung aus dem Stadtmotiv vernehmen,wie z.B Stille, Ruhe oder Sauberkeit. Ruhean einem Ort an dem sonst Trubel und Hektik statt findet.